Entengrütze 5

Damit man sich nicht mit der Welt verwechselt: E. T. A. Hoffmann - Alles

Nach all der bobbolistischen Düsternis einmal wieder was Gescheites: Was man ganz unbedingt lesen oder wieder lesen oder noch mal lesen sollte, ist E. T. A. Hoffmann, und zwar alles: Nachtstücke, Fantasiestücke, Märchen, Elixiere, Murr ... alles halt.

Das ist nämlich alles derart abgefahren, bisweilen richtiggehend unheimlich und zumeist umwerfend komisch, daß man erstaunt sich fragen mag, wie jemand, der sich selbst als Totalromantiker verstanden hat, es geschafft hat, sich eine derartige Leichtigkeit. Luzidität (endlich einmal dieses Wort untergebracht!) und Geistesgegenwart nicht nur privatim zu bewahren, sondern auch noch schriftlich niedergelegt und verbreitet zu haben. Es ist ganz unermeßlich und unerhört. Ein Quell steten und auch noch reinen Vergnügens, praktisch.

Nur zum Beispiel und weil's bestimmt das allerallerbekannteste ist: Die Geschichte vom Sandmann. Was so alles abgehen kann, wenn das Ich zum Prinzip allen Denkens und Erkennens und Handelns wird und man sich also selber mit der Welt verwechselt! Es ist ganz herrlich, partiell grauslig und urkomisch und der Durchschnittsstudierende Nathanael schaut dem bescheuertsten Extrempubertisten so ähnlich, daß es im Grunde genommen gar nicht mehr zu unterscheiden ist. Sollte etwa der hocherhabene sog. Deutsche Idealismus am allerehesten etwas für hormonüberschwemmungskompensationsgezwungene Pubertisten und Pubertoninnen sein?? Nein, dieser Gedanke sei freilich ganz fern von uns!

 

Hoffmanns allerschönster Satz aber ist: "Das Talent der Fräulein Röderlein ist wirklich nicht das geringste."